Im aktuellen CEEIEH ist ein sehr lesenswertes Interview mit Gerhard Stapelfeldt zu finden, geführt wurde das Interview von Martin Dornis.
Dabei werden mehrere wichtige Themen angesprochen:
Wie ist zum Beispiel das marxsche Werk zu lesen?
Wenn man das als historisches Dogma macht, kann man mit Marx alles belegen und machen, wie es z.B. schon die Marxisten zu seiner Zeit gemacht haben: Aus seiner Geschichtstheorie eine übergeschichtliche Theorie zu machen. Das ist genau das, was die Marxphilologie macht, die Marx nicht aus seinem Forschungsprozess begreift, sondern die versucht, ein Buch, was im Fluss ist (analog zum Gesamtwerk, das als solches ein Fragment ist), ein Schlüsselwerk zu machen, als könne man mit nur einem Buch schlussendlich fertig werden. Das ist eine Omnipotenzphantasie, das ist die theoretische Liquidierung der Geschichte, der Idee der revolutionären Weltveränderung im Interesse einer Humanisierung der Welt. Wenn man glaubt, man würde ein Buch schreiben oder ein früheres Buch nehmen und daraus eine Theorie machen, die als Theorie abgeschlossen ist. Jede Theorie, die auf eine Humanisierung der Welt abzielt, ist – wie Horkheimer sagt – unabgeschlossen, solange vernünftige Verhältnisse nicht verwirklicht sind. Wären sie verwirklicht, bräuchte man keine Gesellschaftstheorie, die die bewußte Gesellschaft erklärt.
Daneben geht es im Interview noch um Krisen, die dem Bürgertum heute keine Dialektik mehr einpauken und die unglückliche Lage kritischer Theorie die von weltverändernder Praxis abgeschnitten ist.
Das ganze Interview gibts hier.
In der selben Ausgabe ist auch ein Text von mir zum Thema Klassenkampf erschienen.
Schlagwörter: Kritische Theorie, Marxismus, Max Horkheimer